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Mentawai im Alphabet II

Autor: Jakob | Datum: 16 Juni 2015, 14:27 | 1 Kommentare

Indonesien ist vielfältig. Mentawai ist es auch. Worte können diesen besonderen Ort niemals gerecht umschreiben und trotzdem will ich versuchen, ein paar Schlagworte, die wichtig für mich als Freiwilligen auf Mentawai und für den Ort Mentawai eine wichtige Rolle spielen, zu erklären.

Was folgt ist eine Beschreibung Mentawais von A-Z – Mentawai in all seiner Vielfalt.

Im zweiten Teil geht es um die Buchstaben von F bis J:

FORTBEWEGUNGSMITTEL

Während meiner Zeit in Indonesien habe ich mich schon von so einigen Dingen transportieren lassen. Ich versuche es mal aufzuzählen:

  1. Flugzeug
  2. Moped
  3. Taxi
  4. Auto
  5. Angkot (Minibus)
  6. Pferdekutsche
  7. Tuk-Tuk/Bajaj (dreirädriges Moped)
  8. Bus
  9. Schiff/Fähre
  10. Speedboat (wobei dieser Name irreführend ist – ein Speedboat ist ein kleines Kanu mit Außenborder)
  11. Zug
  12. Fahrradbecak (Fahrrad mit Platz für Chauffeur und zwei weitere Passagiere)
  13. Motorbecak (Motorrad mit Platz für Chauffeur und zwei weitere Passagiere)
  14. Fahrrad

 

Wenn ich mich aber auf Mentawai beschränke, dann sinkt die Anzahl der Fortbewegungsmittel deutlich herab. Ich erörtere das mal.

Einen Flughafen gibt es hier nicht, was die Mentawai-Inseln so abgelegen erscheinen lässt. Dass sie das eigentlich gar nicht sind, merkt man, wenn man mit der teuren Schnellfähre an- oder abreist, die statt den gewöhnlichen zehn Stunden aufwärts, nur drei Stunden für die etwa 150 Kilometer weite Strecke braucht.

Auf Mentawai, beziehungsweise Siberut, ist die Bandbreite der Verkehrmittel recht gering.

In der Regel ist man mit dem Moped unterwegs. Wenn ich nicht gerade zu Fuß gehe, ist der Sozius auch mein gängigstes Fortbewegungsmittel.

Autos gibt es fast keine. In meinen sieben Monaten auf Mentawai bin ich erst zwei Mal in einem Auto mitgefahren. Da die Strecken, die zurückzulegen sind einfach sehr kurz sind, sind Autos aber auch nicht vonnöten.

Die Unmengen an Waren, die mit der Fähre von Padang aus importiert werden, werden mit ein paar w#enigen Lastern, oder aber mit Becaks, in diesem Fall Mopeds mit einem Beiwagen, der als Ladefläche dient, transportiert.

Öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht.

Das Straßennetz ist noch sehr klein. Will man zu anderen Dörfern auf der Insel, ist der gängige Weg in der Regel nicht das Moped (wenn es Straßen gibt, sind sie gefährlich und bei Regen nicht befahrbar), sondern das Speedboat. Je nach Position des Dorfes, schlängelt man sich durch den Fluß, durch Mangrovenwälder, Buchten oder eben auch mal entlang der Küste auf dem Meer.

Vor einigen Wochen hat mich meine beste Freundin Sarah, die selber Freiwillige in Ruanda ist, besucht. Zusammen sind wir zu einem wunderschönen kleinen Inselchen im Süden Siberuts gefahren. Auf dem Rückweg durch den Mangrovenwald, konnten wir bedingt durch die einsetzende Ebbe den Außenborder nicht mehr benutzen und so  musste ich aussteigen und das Boot durch den Schlamm watend ein halbe Stunde lang voran schieben – ein mit Sicherheit lustiges Bild.

 

GELD

Als ich das erste Mal sah, wie die Kollekte eines sonntäglichen Gottesdiensts gezählt wurde, da habe ich aber nicht schlecht gestaunt – ein großer Tisch, auf dem sich die Scheine nur so häuften.

Das liegt daran, dass es in Indonesien zwar Münzen gibt, diese aber nur sehr selten benutzt werden.

Der kleinste Schein ist 1000 Rupiah – so heißt die Währung – wert, das sind umgerechnet etwa sechseinhalb Cent. Für den größten Schein in Höhe von 100 000 Rupiah bekommt man etwa 6,50€.

Wer also 65€ in Rupiah in der Tasche hat, kann sich schon Millionär nennen.

 

HULU

Hulu, das bedeutet übersetzt „Flussoberlauf“. Gemeint ist aber jenes Gebiet der Insel, das nicht an der Küste liegt. Erreichen kann man den „Hulu“ übrigens tatsächlich über den Fluss „Siberut“, der der Insel ihren Namen gibt.

Vor allem ist der Hulu bekannt für die noch erhaltene traditionelle Lebensweise. Sieht man hier in meinem Wohnort, in Muara Siberut, was übersetzt übrigens „Flussmündung des Siberuts“ heißt, Menschen mit den kunstvollen über den ganzen Körper gezogenen Tattoos und Blumen in den Haaren, kann man sich sehr sicher sein, das es sich um Bewohner des „Hulus“ handelt.

Mit denen kann ich mich nur schwer verständigen, denn sie sprechen in der Regel nur Mentawaiisch und kein Indonesisch – oder aber Englisch, denn oft wird der Hulu von internationalen Touristen, Fotographen und Anthropologen besucht.

 

INSELLEBEN

Das Leben auf Mentawai würde ich tatsächlich als ein typisches Inselleben bezeichnen. Warum?

Als erstes wäre die Abhängigkeit vom Wasser zu nennen. Das Meer mit seinen reichen Fischgründen ist nicht nur Lebensmittelquelle, sondern in logischer Konsequenz auch eine wichtige Einnahmequelle. Fisch gehört neben Bananen und Kokosnüssen zu den Top-Export-Gütern.

Einen zweiten Teil dieser Abhängigkeit stellt die Wichtigkeit des Meeres für Transporte dar. Wie bereits erwähnt fährt man die meisten Dörfern nicht mit dem Moped, sondern mit dem Boot an. Dazu kommt, dass die Verbindung nach Padang/Sumatra nur durch die Fähren unterhalten wird, die die Insel aber nicht jeden Tag anfahren. Und so geht man beispielsweise, wenn man ein Importgut einkaufen will, am Mittwoch oder am Samstag auf den Markt, denn da kommt die Fähre aus Padang. Und es wird viel importiert. Kommt mit der Fähre aus Padang nach Siberut ist der Laderaum des Schiffes voll mit in Pappkartons geladenen Kisten. Fährt man zurück, von Siberut nach Padang, erscheint der Stauraum des Schiffes vergleichsweise leer, sieht man von den Bananen, Kokosnüssen und Vogelkäfigen ab (letztere enthalten exotische Vögel, gefangen im mentawaiischen Regenwald).

Ein weiterer Fakt, der mich nie vergessen lässt, dass ich auf einer Insel lebe ist die Tatsache, dass die Küste allgegenwertig ist. Gucke ich aus meinem Zimmerfenster, sehe ich das Meer, gehe ich ins Asrama zur Arbeit, passiere ich den Strand, selbst, wenn ich meinen Gastvater nach ins Dörfchen Malilimok in Südsiberut begleite und wir unsere Fahrt mit dem Bötchen auf dem Fluss Richtung Inselinneres beginnen, nach ein paar Kilometern durch Mangrovenwald kommen wir doch wieder am Meer raus. Ich schätze, dass ich mich während  meiner gesamten Zeit auf Siberut noch nie mehr als fünf Kilometer vom Meer entfernt habe!

 

JOKO WIDODO

Jokowi, wie er im Volksmund genannt wird ist „Indonesiens Obama“.  Im letzten Jahr wurde er von der Indonesischen Bevölkerung zum neuen Präsidenten gewählt. Er ist der erste Präsident der Republik, der in keiner Verbindung zum früheren Machthaber und Diktator Sukarno steht und nimmt nicht nur aus diesem Grund, sondern auch aufgrund seiner Visionen im Bereich der Sozialpolitik und seiner Kampfansage gegenüber dem Korruptionsproblem die Rolle eines Reformers ein – ganz ähnlich wie der ihm auch äußerlich tatsächlich ähnliche amerikanische Amtskollege Obama bei seiner ersten Wahl.

So visionär die Vorhaben von Jokowi auch sein mögen, sie durchzusetzen wird sehr schwierig sein. Zuletzt machte der Javaner in der internationalen Presse negative Schlagzeilen aufgrund seiner Haltung im Drogenskandal um die philippinische Mary Jane.

Sein Gesicht jedenfalls, ist auch auf Mentawai allgegenwärtig. Er lächelt von T-Shirts, Stickern und Plakaten, die die Leute an ihre Häuser gehängt haben. Ob er seinen Versprechungen gerecht werden kann, wird die Zukunft zeigen.

 

Das waren die nächsten fünf Begriffe aus meinem Leben an diesem Ort - es werden weitere folgen!

Mir geht es nach wie vor sehr gut! Liebe Grüße an alle Leser.

 

Fotoalbum: Von A bis Z - bunter Mix II

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