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Denkwürdiger Trip

Autor: Jakob | Datum: 11 Dezember 2014, 06:21 | 0 Kommentare

Im Oktober des Jahres 2010 wurden die Mentawaiinseln von einer schrecklichen Naturkatastrophe heimgesucht. Mindestens 450 Menschen verloren bei einem riesigen Tsunami ihr Leben, hunderte verletzten sich, wurden vermisst und tausende verloren ihr Zuhause.

Die Welle drang bis zu 600 Meter ins Landesinnere vor, was den Einwohnern vieler Küstendörfer zum Verhängnis wurde.

Heute, vier Jahre nach der Katastrophe, sind die Auswirkungen immer noch sichtbar.

Am Montag, den 08.12. unternahm ich mit Pak Nestral, einem hiesigen Vikar, einen Trip auf dem Moped. Wir fuhren von Nemnemleleu aus in Richtung Westen und durchquerten so nahezu die ganze Insel. Die Strecke führt über einen abenteuerlichen und wunderschönen Weg mitten durch den hügeligen Regenwald, teilweise gleichen die Wege Trampelpfaden und immer wieder muss man absteigen und schieben, um schwierigere Passagen zu überwinden.

Doch ab und zu lichtet sich der Wald und blau funkelnde Dächer blitzen hervor. Mitten im Urwald, in sicherer Entfernung von der Küste, wurden ganze Siedlungen neu errichtet – quasi aus dem Boden gestampft. Kleine Holzhäuser stehen in Reihe am Rande des Weges, teilweise bereits fertiggestellt und bezogen, teilweise noch ohne Wände – in diesem Fall wohnen ganze Familien (seit vier Jahren!)in noch viel kleineren provisorisch errichteten Holzhütten.

Finanziert wird das Programm durch die Regierung, ein guter, wenn auch viel zu später Ansatz, doch die Bedingungen sind schlecht!

Davon abgesehen, was es für Menschen bedeuten muss, ganze Siedlungen und damit Teile ihrer Identitäten abzugeben, ist das abgeschiedene Leben mitten im Wald hart. Es gibt wenig Platz, um Landwirtschaft zu betreiben, keinen Fisch, keine Elektrizität und wenig Arbeit.

Schnelles Geld kann man in der Holzwirtschaft machen. Große ausländische Holzfirmen lassen tiefe Narben in den Regenwald reißen. Eine Tatsache, die auch für mich auf unserem Ausflug sichtbar wird. Mitten im dichten Wald tut sich auf einmal eine Lichtung auf und die kleinen Häuschen der Waldarbeiter, die hier zum größten Teil unter der Woche wohnen und arbeiten, um dann am Wochenende nach Hause zu ihren Familie zu fahren, werden sichtbar.

So frustrierend die Abholzung des tropischen Regenwaldes auch sein kann, man sollte nie vergessen, dass wir, die westlichen Konsumenten, viel Geld für die edlen und harten Hölzer zahlen und das Geschäft somit lukrativ machen. Das große Geld bleibt bei den Händlern und Zwischenhändlern hängen und nur relativ wenig bleibt den einheimischen Arbeitern, die einen so hohen Preis bezahlen müssen.

Ziel unserer Fahrt war das kleine Küstendorf Silabu, von dem aus es nicht weit zum touristischsten Anlaufpunkt Nordpagais ist – Macaronis Surf Ressort.

Der Anblick des riesigen durchaus geschmacksvollen Holzbaus bildet einen krassen Kontrast zu all den Eindrücken, die ich hier bereits gesammelt habe und ich denke mir, dass es eigentlich nicht wirklich hier her gehört. Aber nicht weit von dem Haus gibt es nun mal die Wellen, von denen man sagt, dass sie zu den besten Surfwellen der Welt gehören, wenn nicht sogar die besten sind.

Und so bildet das Macaronis Ressort einen Treffpunkt für die westliche Surferszene. Ich erkenne den braungebrannten Manager, Südafrikaner, direkt wieder, hatte ich mich doch bereits mit ihm auf der Fähre von Padang unterhalten, in der Annahme er sei ein Tourist.

Die Wellen waren an diesem Tag verhältnismäßig klein und so wollte am Nachmittag nur ein einziger Australier sein Können auf dem Wasser unter Beweis stellen und netterweise durften wir ihn begleiten. Trockenen Fußes haben wir seine geschickten Drehungen, Wendungen und Sprünge von dem gefährlich schaukelnden Boot aus bestaunt – bei längerer Dauer mit Sicherheit eine Belastung für den Magen.

Es war ein Tag voller neuer Eindrücke, den ich zusammen mit Nestral mit einem Bierchen abgeschlossen habe und es soll wohl noch länger dauern, bis ich all diese Gedanken verarbeitet und eingeordnet habe.

Morgen öffnet sich das zweite Kapitel meines Freiwilligendienstes – ich fahre nach Muara Siberut zu meiner Einsatzstelle im Internat!

Bis dann!

 

Fotoalbum: Eindrücke sammeln - Denkwürdiger Trip durch den Dschungel

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